4. Oktober 2008





Beim Spazieren durch einen fast trocken gefallenen Priel begegnen einem manchmal Schnecken, die sich verdächtig schnell vorwärts bewegen. Bei genauerer Betrachtung lassen sich dann sogar Beine erkennen, die für die schnelle Fortbewegung sorgen und man wird misstrauisch. Man hat zwar tatsächlich ein Schneckenhaus vor sich, allerdings wohnt dort keine Schnecke mehr, sondern ein Krebs ist als Nachmieter eingezogen: der Einsiedlerkrebs Pagurus bernhardus.




  





Ein Einsiedlerkrebs wohnt in einem Strandschnecken-Haus






Warum tut dieser Krebs so seltsame Dinge? Anders als seine Verwandten hat der Einsiedlerkrebs einen weichen Hinterleib, der nicht, wie bei den anderen Krebsen, durch einen harten Panzer vor Fraßfeinden geschützt ist. Daher muss er diesen auf andere Weise schützen und versteckt ihn in einem Schneckenhaus. Nur die kräftigen Scheren und das 2. und 3. Beinpaar haben bei ihm eine starre Außenhaut.

Wenn Krebse wachsen, müssen sie sich, da ihr starres Außenskelett nicht mitwachsen kann, regelmäßig häuten. Der Einsiedlerkrebs steht vor einem ähnlichen Problem: auch sein Schneckenhaus wächst in der Regel nicht mit, so dass er sich in regelmäßigen Abständen ein neues, größeres Zuhause suchen muss.

Damit sie nicht zu oft umziehen müssen, leben viele Einsiedlerkrebse in einer Lebensgemeinschaft mit Stachelpolypen, die außen auf dem Schneckenhaus leben und mit ihren Kalkausscheidungen am Eingang des Schneckenhauses anbauen. Dadurch lassen sie das Haus für den Einsiedler doch bis zu einem gewissen Grad mitwachsen. Da nicht nur der Krebs einen Vorteil aus dieser WG zieht, sondern auch der Polyp etwa von den Nahrungsresten des Einsiedlers profitiert, ist dies ein Beispiel für eine Symbiose - eine Beziehung verschiedener Organismen mit gegenseitigem Nutzen.





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