Vogel des Monats - August 2009

Der Sandregenpfeifer
(Charadrius hiaticula)

Nachdem ich in den Schaufenstern ja schon öfter von den Sandregenpfeifern berichtet habe, konnte ich nun im August tatsächlich noch frisch geschlüpfte Sandregenpfeifer beobachten. Ein guter Grund, um den Sandregenfeifer zum Vogel des Monats zu machen!


Sandregenpfeifer

Mit seinen langen Beinen kann ein Sandregenpfeifer mit großen Schritte durch den Muschelschill laufen

Sandregenpfeifer bilden zusammen mit vielen verschiedenen anderen Arten die Familie der Regenpfeifer (Charadriidae). Alle haben gemein, dass sie eher kurze Hälse und Schnäbel besitzen und durch diese kurzen Schnäbel die Nahrung eher pickend als im Watt stochernd aufnehmen.
Durch ihr auffälliges Federkleid sind Sandregenpfeifer im Prachtkleid eigentlich unverwechselbar: Beine und Schnabel sind orange, der Schnabel hat eine schwarze Spitze. Außerdem tragen die Vögel eine schwarze Augenbinde sowie ein schwarzes Brustband. Die Augenmaske verleiht ihnen immer leicht das Aussehen von maskierten Banditen.

Zweiundzwanzig Tage lang beobachtete ich das Gelege der Sandregenpfeifer am Dünenübergang. Normalerweise dauert eine Brut 23-25 Tage, ich muss die Eier also kurz nach dem Legen gefunden haben. Jedesmal, wenn ich über die Düne kam, hörte ich einen Warnpfiff und der brütende Elternteil lief so schnell ihn seine Beine trugen von den Eiern weg in den Spülsaum.
Bis vor drei Tagen. Da waren beide Eltern bei meinem Erscheinen am Strand so auffällig bemüht mich vom Nest fortzulocken, dass ich misstrauisch wurde. Die beiden erwachsenen Vögel kugelten sich scheinbar unkontrolliert über die Muscheln, streckten einen Flügel weg, als ob sie ihn nicht mehr bewegen könnten und spreizten die Steuerfedern. Wirklich ein Spektakel. Dieses Verhalten soll Feinde dazu bringen, den vermeintlich verletzen Vogel als leichte Beute zu verfolgen. Ist der Feind dann weit genug von den Jungen weg, sind die Eltern wieder plötzlich genesen und fliegen in hohem Bogen davon.


Sandregenpfeifer verleitet

Die Eltern versuchen alle möglichen Bedrohungen für ihren Nachwuchs abzulenken, indem sie so tun als seien sie verletzt

Da ich die Sandregenpfeifer aber durchschaute, riskierte ich trotzdem einen kurzen Blick auf das Gelege. Und siehe da: zwei Küken waren schon geschlüpft! Eines saß bereits trocken und flauschig ausserhalb des Nestes nur unter einer Feder versteckt und das andere war noch ganz frisch und lag noch sehr schwach in der Nestmulde. Nach einem kurzen Foto, entfernte ich mich schnell vom Nest und drücke nun die Daumen, dass die Eltern mit ihrer Verwirrtaktik erfolgreich alle Möwen abwehren!
frisch geschlüpft

Gerade frisch geschlüpft - dieses Küken ist noch ganz und gar hilflos, aber nicht lange: eines seiner Geschwister war schon trocken und saß bereits neben dem Nest in der Sonne. Sandregenpfeifer sind typische Nestflüchter
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