Vogel des Monats - Juli 2009

Der Kormoran
(Phalacrocorax carbo)

Im Juli zeigen sich fast überall am Strand der Insel die Kormorane, die bis vor kurzem ausschließlich fliegend oder in der Kolonie zu beobachten waren. Doch jetzt sind viele Jungen schon flügge und die Kolonie wird nach und nach von den Vögeln zumindest tagsüber verlassen. Und weil der Kormoran ja bekanntlich wenig Freunde hat und häufig als Fischdieb verunglimpft wird, hat er sich als Imagekampagne den Titel "Vogel des Monats" auf Trischen verdient.


geisterhafte Kormorane

Trübes Licht und schemenhafte Gestalten - Kormorane auf den Pflöcken des ehemaligen Anlegers auf Trischen

Noch bis 1975 durften Kormorane bejagt werden, wovon auch reichlich Gebrauch gemacht wurde. Beinahe ausgerottet war die Art bereits im 19. Jahrhundert und erst nach der Unterschutzstellung nahmen die Bestände wieder zu. Erst seit 1982 brüten Kormorane wieder in Schleswig-Holstein. Aber schon gibt es von verschiedenen Seiten wieder Forderungen, Kormorane im Bestand zu regulieren, da sie der Fischereiwirtschaft erheblichen Schaden zufügen können. Vergrämungsabschüsse sind sogar schon wieder erlaubt.

Dabei tun Kormorane nur, was sie tun müssen, um satt zu werden und ihre Jungen zu versorgen. Sie sind geschickte Taucher, können bis zu 16 Meter in die Tiefe vordringen. Anders als bei anderen Wasservögeln wird das Gefieder der Kormorane im Wasser nass, das liegt daran, dass kein Luftfilm um das Gefieder gehalten wird. Nach dem Fischen sieht man sie deshalb häufig irgendwo mit weit ausgebreiteten Flügeln sitzen, um diese zu trocknen.


Kormoran-Kolonie

Ein Blick in die Kolonie der auf Trischen bodenbrütenden Kormorane - hier scheint doch alles sehr geschäftig und gemeinschaftlich zuzugehen

Gebrütet wird in Kolonien - normalerweise auf Bäumen, häufig in ehemaligen Reiherkolonien. Auf Trischen bilden die Kormorane eine Kolonie am Boden, die jedes Jahr wieder besiedelt wird. In der Kolonie schichten die Brutpaare große Nester auf, das Nistmaterial wird auch gern mal vom Nachbarn geklaut. Dann legen sie 3-4, manchmal auch bis 6 hellblaue Eier, die von beiden Partnern abwechselnd bebrütet werden. Die schlüpfenden Jungen sind Nesthocker, sie kommen nackt und blind zur Welt und werden von den Eltern am Nest gefüttert. Die Jungvögel stecken ihre Köpfe in den Schnabel der Eltern und diese würgen erbeuteten Fisch aus. Nach 50-60 Tagen sind die Jungen flügge.
Kormorane brüten, obwohl zusammen in der Kolonie, zeitlich stark versetzt, so dass es schwierig ist einen Brutbestand zu ermitteln. Ich zählte in diesem Jahr 380 Brutpaare, eine zusätzliche Erfassung aus der Luft wird aber sicher eine genauere Brutpaarzahl ergeben.


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