Vogel des Monats - Juni 2009

Der Austernfischer
(Haematopus ostralegus)

Jetzt im Juni sind die Austernfischer mitten im Brutgeschäft auf Trischen und damit unüberhör- und unübersehbar. Sie sind im Gegensatz zu Möwen und Seeschwalben keine Koloniebrüter, sondern brüten einzeln, weit verteilt über die Insel.


Austernfischer im Flug

Das kontrastreiche schwarz-weiße Gefieder und der lange rote Schnabel haben dem Austernfischer den Beinamen "Halligstorch" eingebracht

Austernfischer sind sehr langlebig und kommen immer wieder zu ihren angestammten Brutplätzen zurück. Es gibt Nachweise über Beringungsprojekte die belegen, dass diese Tiere über 40 Jahre alt werden können. Dementsprechend lange sind dann auch die guten Brutplätze an immer dieselben Paare vergeben und Jungtiere, die noch keinen angestammten Brutplatz besitzen, müssen entweder auf schlechtere, d.h. weiter vom Wasser entfernte, Brutplätze ausweichen oder abwarten, bis ein altes Brutpaar seinen Platz aufgibt. Abgewartet wird in sogenannten Junggesellentrupps, die häufig laut lärmend übers Watt ziehen, immer bereit, falls ein älterer Vogel stirbt, dessen Platz einzunehmen.

Mit ihren langen kräftigen Schnäbeln stochern die Austernfischer im Watt herum auf der Suche nach Nahrung. Austern kommen dabei eigentlich eher selten auf den Speisezettel, denn die europäische Auster ist seit über 80 Jahren im Wattenmeer ausgestorben - lediglich Schalen findet man noch hin und wieder im Spülsaum. Seit einigen Jahren breitet sich allerdings die pazifische Auster hier im Wattenmeer aus. Diese Austernart besitzt jedoch so starke Schalen, dass sie den Austernfischern wohl meistens verschlossen bleiben.


Austernfischer-Revierpaar

So zu zweit stehen die Revierpaare häufig auf der Insel - allein das Sich-Zeigen am Brutplatz verhindert in der Regel, dass andere Vögel ihnen den Platz streitig machen wollen

Aber es gibt ja jede Menge anderer Muscheln im Wattenmeer und die fressen die Austernfischer sehr genüsslich. Dabei gibt es unterschiedliche Strategien die Schale zu knacken und meistens spezialisiert sich ein Tier auf eine Art des Muschelöffnens. Einige Austernfischer hämmern mit dem Schnabel so lange auf die Schale ein bis ein Loch drin ist und fressen dann das Muschelfleisch aus dem Loch. Diese bilden einen eher meißelartigen Schnabel aus. Die anderen öffnen die Muscheln weniger brachial, fast schon elegant. Sie besitzen einen eher dünnen pinzettenhaften Schnabel, den sie, wenn die Muscheln sich leicht öffnen, um Wasser einzustrudeln, zwischen die Schalen stecken. Dann wird mit einem gezielten Schnabelhieb der Schließmuskel der Muschel durchtrennt und die Schalen springen auseinander.
Wie hoch der Bruterfolg in diesem Jahr allerdings ausfallen wird, ist noch nicht absehbar. Die meisten Austernfischer haben bei den vielen Möwen rundherum einen schweren Stand und so manches Küken stillt den Hunger einer Möwenfamilie. Da wird den Austernfischern wohl ihre Brutortstreue manches Mal zum Verhängnis.


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