Krebse im Watt
Eine sehr vielfältige Tiergruppe im Watt sind die Krebse. Neben den auffälligen großen Arten finden sich nur bei genauer Suche winzige Vertreter, bei anderen kann man es kaum für möglich halten, dass sie überhaupt diesem Tierstamm angehören. Einige der im Watt rund um Trischen vorkommenden Krebse sollen nun im Folgenden vorgestellt werden:

Etwas Glück braucht es, um einen Einsiedlerkrebs (Pagurus bernhardus) zu finden. Je nach Alter suchen sie sich ein passendes Gehäuse, das meist schon bald mit Stachelpolypen (Hydractinia echinata) bewachsen ist. Die entstandene Symbiose gibt dem Krebs Schutz durch die Nesselkapseln, und den festsitzenden Polypen ein Transportmittel zu guten Nahrungsgründen.
Die wegen ihrer Größe wohl auffälligsten Krebse im Watt sind die Strandkrabben (Carcinus maenas), die wie die Einsiedlerkrebse zu den höher entwickelten Zehnfuß-
krebsen (Decapoda) gehören. Die Weibchen tragen über mehrere Monate Eipakete mit sich herum, bevor die Lar-
ven schlüpfen. Diese durchlaufen zunächst 5 Larvensta-
dien, bevor sie wie richtige Krabben im Miniformat ausssehen. Während ihres 1. Lebensjahres häuten sie sich weitere 9-10 Mal, danach nur noch 1-2 Mal pro Jahr.

Kein Eipaket, sondern der Wurzelkrebs Sacculina hat sich bei dieser Strandkrabbe unter dem Hinterleib festgeheftet. Zahlreiche wurzelartige Anhänge dieses sonderbaren Parasits bilden ein weitläufiges Geflecht im Körper des Wirts und zapfen die inneren Organe an.
Wurzelkrebse gehören zu den  "Rankenfüßern" (Cirripedia), einer Unterklasse der niederen Krebse.
Zu den Rankenfußkrebsen gehören auch die Seepocken (Balanidae), deren freischwimmende Larven sich in kürzester Zeit an allen nur erdenklichen Gegenständen festheften können. Ihre dann wachsenden Kalkgehäuse überziehen auch noch lebende Krebse wie diese Strandkrabbe, die sich erst durch ihre nächste Häutung von ihrem Aufwuchs befreien können.


Im Wattenmeer gibt es mehrere sehr häufige Arten von Seepocken, wie z.B. diese Semibalanus balanoides. Kopfüber sind die kleinen Krebse in ihren aus mehreren Kalkplatten bestehenden Gehäusen festgewachsen. Ist das  Gehäuse von Wasser bedeckt, werden die zu feinen Fangkäschern umgebildeten Rankenfüße herausgestreckt, die mit regelmäßigen Schlagbewegungen das Wasser nach fressbaren Kleinstpartikeln durchfiltern.
Die winzigen Schlickkrebse (Corophium volutator) sorgen an windstillen Tagen für eine bedeutungsvolle Geräuschkulisse im Watt. Sie erzeugen das sogenannte "Wattknistern", das dadurch entsteht, dass Abertausende von ihnen ihre 2. Antennen spreizen, wobei das dazwischen aufgespannte Wasserhäutchen mit einem leisen "klick" zerplatzt. Ansonsten nutzen sie diese langen Gliedmaßen, um von ihren Wohnröhren aus den Boden nach kleinen Sinkstoffen zu durchharken.


Wie der Schlickkrebs gehört auch der Strandfloh (Talitrus saltator) zu den Flohkrebsen (Amphipoda), eine Unterklasse der höheren Krebse. Er bewohnt den Spülsaum der Sandstrände, wo er sich gesellig in den Boden eingräbt und vor allem in der Dämmerung herauskommt, um angespülte Tierleichen oder Tang zu fressen. Verschiebt sich der Spülsaum, so sucht er ihn mit Hilfe seinen guten optischen Orientierungsvermögens immer wieder auf.
Von den wohl bekanntesten Krebsen des Wattenmeeres, den Nordsee-Garnelen (Crangon crangon), bekomme ich vor allem dann welche zu Gesicht, wenn mich Inselver-
sorger Polli in seinen Krabbenkessel schauen lässt, falls er in der Nähe fischt. Ansonsten lassen mich nur die Vielzahl der kommerziellen Krabbenfischer die unglaubliche Menge dieser Krebse erahnen. Sie gehören wie die Strandkrab-
ben zu den Zehnfußkrebsen (Decapoda) und besiedeln vor allem die Flachwasserzonen, wo sie sich von Plankton ernähren.